GFW Dach

GFW-Dach mbH 040: 4. Workshop Vorbereitung Sachverständigenprüfung: Steildachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen

Ausgehend von den vertraglichen Vereinbarungen zwischen dem Kläger und dem Beklagten oder dem Antragsteller und dem Antragsgegner ist der Sachverständige im Handwerk besonders gefordert, wenn er die Solleistung der ausgeführten Leistungen beurteilen soll. Ist die Beschaffenheit des Werkes im Leistungsverzeichnis oder im Bauvertrag nämlich nicht näher beschrieben, so hat er festzustellen, ob die Bauleistungen so ausgeführt wurden, wie der Auftraggeber dieses erwarten konnte. Dabei hat der Sachverständige die betreffenden, allgemein anerkannten Regeln der Technik heranzuziehen. Mit Verweis auf und Quellenauszügen aus diesen technischen Regelwerke stellt der Sachverständige in seinem Gutachten in verständlicher Umgangssprache den Soll-Zustand dar. Bei Klageverfahren sind viele Richter auf die Sachverständigen angewiesen, da ihnen die Gutachterals Fachleute mit überdurchschnittlichem Wissen auch komplexe und schwierige Sachverhalte einfach erklären und verdeutlichen können.

Anhand von charakteristischen Fallbeispielen aus dem Bereich der Steildachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen erarbeiten die Teilnehmer im Seminar die technischen Anforderungen des Regelwerkes des Dachdeckerhandwerks. Grundregeln, Fachregeln, Merkblätter, Hinweise und Produktdatenblätter enthalten derart viele Fachinformationen, so dass der angehende Sachverständige lernen sollte, nur wesentliche Kernaussagen für sein Gutachten zu entdecken und zu nutzen. Besonders die objektbezogene Auswahl der zusätzlichen Maßnahmen zur Regensicherheit bei Einhaltung oder Unterschreitung der Regeldachneigung erfordert vom ausführenden Dachdecker und auch von einem Sachverständigen im Beweisverfahren eine richtige Einschätzung der Beanspruchungen und eine sich daraus ergebende Ausführung der Unterspannung, der Unterdeckung oder des Unterdaches.

Aufgrund der vermehrten Starkwindereignisse in den letzten Jahren wurde die bestehende Windlastnorm durch die DIN EN 1991 ersetzt. Diese Norm, die zu den sogenannten Eurocodes zählt, beschreibt die Windlastzonen und die Einteilung der Dachflächen in die Eck- Rand- und Flächenbereiche. Ein Fachvortrag eines externen Referenten stellt den angehenden Sachverständigen typische Schadensbilder und die zugrundeliegenden Ursachen vor.

Am 2. Tag des Workshops besuchen die Teilnehmer eine Produktionsstätte von Dachziegeln und Dachsteinen, um einen Einblick in die Herstellung und Qualitätskontrolle der Produkte zu erhalten. An diesem Exkursionstag werden auch nachhaltige Dachsysteme z.B. zur Schadstoffverminderung vorgestellt und typische Anwendungsfehler von Verarbeitern behandelt.

Inhalte Tag 1

Der Sollzustand bei Bauleistungen

  • Technische Regelwerke
  • Die Bedeutung der Leistungsposition /des Bauvertrages - Beschaffenheitsvereinbarungen
  • Quellenhinweise / Literaturangaben
  • Vereinbarte Abweichungen von den a.a.R.d.T.
  • Fachbegriffe und komplexe Sachverhalte einfach erklären

Typische Fallbeispiele bei Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen u.a.:

  • Zuordnung von Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit (Unterschreitung der RDN)
  • Einteilung, Deckbild und Anschnitte
  • Regeldachneigungen, Mindestdachneigung
  • Ausführung von wasserdichten und regensicheren Unterdächern, Unterdeckungen und Unterspannungen
  • Entwässerungen an der Traufe, an Anschlüssen an Gauben und Dachfenstern
  • Einbau und Befestigungen von Haltern für Solarsysteme
  • Lüftungsquerschnitte für belüftete Dächer und belüftete Deckungen

Fachvortrag: Fachgerechte Windsogsicherung mit Klammerbefestigungen bei Dachziegeln und Dachsteinen

Referent: Dachdeckermeister Tobias Wecker, Schwelm

Inhalte Tag 2

  • Werkstoffe und Materialeigenschaften - Dachziegel/Dachsteine
  • Dachziegelarten und deren Besonderheiten
  • moderne Formen, historische Formen
  • Normen für Dachziegel und Dachsteine
  • Qualitätskontrolle
  • Prüfverfahren
  • Besichtigung der Produktionsstätten – Dachziegel/Dachsteine
  • Typische Anwendungsfehler
  • Gebrauchsübliche Betrachtungsabstände zur Beurteilung von Dachflächen mit Dachziegeln und Dachsteinen
Veranstaltungsort
  • Tag 1: Bildungszentrum des westfälischen Dachdeckerhandwerks e.V., Eslohe
  • Tag 2: Dachziegelwerke Nelskamp GmbH, Waldweg 6, 46514 Schermbeck
Referenten
  • DDM Jürgen Gerbens, GFW-Dach mbH, Eslohe
  • Dachdeckermeister Tobias Wecker, Schwelm
  • Frank Engelmann, Fa. Nelskamp, Schermbeck
Teilnahmegebühr 385,00 EUR zzgl. 19% MwSt.
Teilnehmeranzahl mind. 4 Teilnehmer, max. 10 Teilnehmer
Arbeitsmittel Schreibzeug, Fachregeln des deutschen Dachdeckerhandwerks (2 Ordner in der Papierversion)
Termin 08.10. - 09.10.2019
  1. Tag: von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  2. Tag: von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr